Helgoland von Corona besonders betroffen

Es fühlt sich an, wie früher im Winter, nur jetzt ist Sommer! Die Temperaturen sind mild, der Himmel ist dunkelblau und ohne Wolken, die Luft prickelnd, die Insel - menschenleer.

Für Helgoland gilt ein verschäftstes Einreiseverbot. Noch nicht mal Handwerker kommen auf die Insel. Dafür ist Helgoland absolut Corona-frei.

Die Helgoländer Wirtschaft steht voll und gnaz hinter den bis 03.05.2020 beschlossenen Maßnahmen. Danach muss es aber eine Lockerung geben, damit die Wirtschaft eine Chance bekommt, zu überleben.
Auf Helgoland gitb es leider Stimmen, die eine Sonderrolle einfordern und, zwar aus verständlicher Sorge um Cornoa, die Insel länger als andere Orte isoliert sehen wollen. Das wäre das Ende der Helgoänder Tourismuswirtschaft.

Daher haben unsere Mitglieder ihre Sicht zusammengetragen und in einem 5-Punkte-Plan für Helgoland veröffentlicht.

Schnellstmögliche langsame Rückkehr zu einer neuen Normalität
Eine von vielen erwartete Rückkehr zur Normalität wird es nur schrittweise geben. Eine Normalität wie "vor Corona" wird es "nach Corona" erst geben, wenn es wirksame Medikamente und Impfungen gibt. Bis dahin wird es eine Zeit "mit Corona" geben. Die aktuellen Beschränkungen sollen zwar in kleinen Teilen gelockert werden, aber im Wesentlichen bis zum 3. Mai 2020 bestehen bleiben. Das betrifft auch sämtliche touristischen Aktivitäten.
Die Helgoländer Wirtschaft unterstützt diese Maßnahmen. Es ist selbstverständlich, dass wir alle Menschen so umfangreich wie möglich vor einer Infektion schützen wollen. Das gilt besonders für ältere und vorerkrankte Menschen. Auch bei jüngeren Infizierten gibt es schwere Verläufe der Krankheit. Deshalb stehen Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen überall und insbesondere dort, wo Kontakte notwendig sind, besonders im Vordergrund.
Es hat sich aber in den zurückliegenden Wochen gezeigt, dass das deutsche Gesundheitssystem überdurchschnittlich gut vorbereitet ist. Intensivmedizinische Kapazitäten stehen ausreichend zur Verfügung. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, eine Ansteckungsrate von 1 und geringer anzustreben. Damit kommt unser System klar. Damit sind Risikogruppen gut versorgt. Und damit kann die deutsche Tourismuswirtschaft in kleinen, dosierten Schritten wieder hochgefahren werden.
Die Helgoländer Wirtschaft ist bereit, alle möglichen und notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Gästen eine sichere und hygienische Reise nach Helgoland zu ermöglichen. Wir streben eine Selbstverpflichtung dazu an, um unseren Gästen und Kunden das Maß an Sicherheit zu geben, das sie in diesen Zeiten erwarten dürfen.
Das umfasst z. B. technische Umrüstungen von Klimaanlagen, freiwillige Beschränkungen bei der Auslastung der Kapazitäten, Schulungen des Personals, noch höhere Anforderungen an die Hygiene gemäß der WHO-Empfehlungen, das Einhalten von Sicherheitsabständen, Einsatz von erforderlichen Schutzkleidungen, Informationen an die Gäste (das ist z. B. problemlos auf den Fahrzeugen bei der Anreise möglich), Taktung von Einkaufszeiten oder Beschränkungen beim Eintritt in die Geschäfte. Die Helgoländer Wirtschaft ist zu vielen Maßnahmen bereit und in der Lage.

Die Lage für die Helgoländer Tourismuswirtschaft ist existenzbedrohlich. Wir sehen sowohl inhaltlich als auch zeitlich dringenden Handlungsbedarf. Darum treten wir mit folgendem 5-Punkte-Plan an die Politik heran:

5-Punkte-Plan für Helgoland

1. Einrichtung eines runden Tisches

Wir möchten uns mit den Verantwortlichen der Insel Helgoland an einen Tisch setzen bzw. in einen gemeinsamen Dialog treten auf, um gemeinsam ein allumfassendes Konzept für die schrittweise Öffnung und die neuen Perspektiven der Insel zu erarbeiten und umzusetzen. Nur ein gemeinsames Konzept kann von allen getragen werden!

2. Abwägung der Verhältnismäßigkeit

Es muss eine permanente Abwägung der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen durchgeführt werden.
Noch nie hat es vergleichbare Eingriffe in die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte der deutschen Bevölkerung gegeben. Noch nie sind weite Teile der Wirtschaft quasi per Gesetz ausgeschaltet worden. Das ist durchaus auch ein juristischer Grenzbereich. Um es deutlich zu machen: Allein bei unseren Helgoländer Mitgliedunternehmen ist ein wirtschaftlicher Schaden bis zum 19. April 2020 von vielen zig-Millionen Euro entstanden. Viele hundert Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit nur bei der Helgoländer Tourismuswirtschaft.

3. Keine Sonderrolle

Für Helgoland wie für alle anderen Inseln - darf es keine Sonderrolle geben.
Das wäre aus unserer Sicht nicht verhältnismäßig. Die vom Land Schleswig-Holstein erlassene "Inselsperre" darf nicht über den 3. Mai hinaus verlängert werden. Die Helgoländer Wirtschaft erwartet daher, dass die Insel ab dem 3. Mai wieder Gäste empfangen kann. Wir sind bereit, einen ersten, sanften Schritt in Richtung Öffnung zu gehen. Das ist zwar für die Reedereien nur ein kleiner Tropfen, wird aber den Beherbergungsanbietern, dem Handel und den Gastronomen wieder erste Umsatzmöglichkeiten geben.

4. Sonder-Werbeetat

Ein Sonder-Werbeetat soll die betrieblichen Werbeetats entlasten.
Damit können wir die Öffnung der Insel professionell ankündigen, die Gäste entsprechend vorbereiten und ihnen das Gefühl der Reisesicherheit zurückgeben. Hier gilt es auch, Vertrauen wieder aufzubauen; denn die Sperrung der Inseln hat bei einigen Gästen schon einiges an Vertrauen in die Sicherheitsstandards gekostet.

5. Staatshilfen verbessern

Kommune, Land und Bund sollen die Hilfspakte verbessern und die Maßnahmen beschleunigen. Die Soforthilfen sind zu knapp bemessen. Die Hilfskredite müssen durch Förderungen ersetzt werden, weil die Betriebsschließungen im Rahmen des Infektionsschutzes angeordnet worden sind.

Die Helgoländer Wirtschaft ist trotz der herben Verluste bereit, sich weiterhin stark für die Insel zu engagieren. Darum: Lasst uns bzw. lassen Sie uns gemeinsam die Rückkehr zu einem gewissen Maß an Normalität gehen. Die Tourismuswirtschaft darf nicht noch mehr leiden, schließlich ist sie der wichtigste ökonomische Faktor auf Helgoland!
Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand

gez. Legitta Reininger , 1. Vorsitzende
gez. Birte Dettmers, 2. Vorsitzende
gez. Rudolf Antony, Kassenwart

gez. Prof. Dr. Martin Linne, Geschäftsführer